Swiscoin: Für ein Tag im Olymp der Kryptocoins

Als kürzlich eine bis dato nahezu unbekannte Kryptowährung innerhalb eines Tages in die Top3 der wertvollsten Kryptocoins auftauchte, rieben sich viele Investoren und Kenner der Szene nicht nur einmal verwundert die Augen. Dieser Artikel zeigt an einem realen Beispiel, wie schnell der Preis von kleineren Kryptocoins hochgetrieben und Investoren getäuscht werden können und warum das Trading von Altcoins unabhängig von einer einzigen Informationsquelle entschieden werden sollte.

Aus der Erfahrung heraus stützen sich die allermeisten Altcoininvestoren einzig und allein auf CoinMarketCap. Die Seite hat eine vergleichsweise lange Historie und genießt daher Vertrauen. Der Fall von Swiscoin zeigt jedoch wieso man sich insbesondere bei Kryptocoins mit geringen Handelsvolumen nicht auf eine Seite zur Gewinnung von Informationen zur Preisentwicklung verlassen sollte, um Fehlentscheidungen bei Investments zu vermeiden.

Fehlerhafte Preisbildung anhand eines reellen Beispiels

Swiscoin (SCN) ist eine Altcoin die normalerweise eine Platzierung auf Basis der Marktkapitalisierung irgendwo fern der Top 100 hat. Also unter ferner liefen für den Großteil der Altcoininvestoren. Am 17. Februar war die Coin aber plötzlich wie von Geisterhand auf Rang drei bei CoinMarketCap platziert, direkt hinter den Platzhirschen Bitcoin und Ethereum, und vor etablierten Kryptocoins wie Monero, Litecoin oder Ripple. Angezeigt wurde eine Preissteigerung von 13749% innerhalb eines Tages.

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Platzierung von Swiscoin in den Top3 mit einer Marktkapitalisierung von $350 Millionen

Es gibt nicht wenige Investoren, die sofort den nächsten Exchange aufgesucht hätten um in Swiscoin zu investieren, um noch schnell auf den Zug aufzuspringen und den Deal ihres Lebens nicht zu verpassen. Seit dem märchenhaften Aufstieg von Bitcoin warten zu viele Glückritter auf die nächste unerwartete Success-Story bei der man dann dabei sein kann. Zudem klingt „Swis“ ja auch verdammt nach Schweiz (obwohl man Schweizer/isch auf Englisch mit zwei s schreibt) und damit auch nach Schweizer-Franken und Solidität. Ob diese Verwechslungsgefahr gewollt ist, lassen wir mal dahingestellt, genauso wie viele andere zweifelhafte Dinge bezüglich der Coin (hier soll lediglich auf die wundersame Preisbildung am 17. Februar eingegangen werden).

Bei einem genaueren Blick kommt schnell Licht ins Dunkel und zeigt, dass ein Investment ein großer Fehler gewesen wäre. Der erste Hinweis ergibt aus dem geringen Handelsvolumen von lediglich rund $3000 an diesen Tag. Bei einer derart guten Platzierung ist dies mehr als ungewöhnlich. Bei näherer Betrachtung der Handelsplattformen an den Swiscoin gehandelt wird, wird dann schnell der Grund des enormen Preisanstiegs ersichtlich. Die Coin ist auf sieben Plattformen gelistet und sechs davon zeigen einen vergleichsweise ähnlichen Preis auf (ca. ein halber Cent pro Coin). Nur bei einer Handelsplattform wurde die Coin mit einem enormen Preisunterschied von $0,53 gehandelt. Da die Handelsplattform Swis Exchange heißt, ist davon auszugehen, dass die Plattform mit der Altcoin in Verbindung steht. Bei einer solchen Konstellation ist Manipulation grundsätzlich Tür und Tor geöffnet.

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Handelsplätze von Swiscoin

Damit ist klar, dass ein einzelner Exchange (dessen unabhängige Preisbildung in Frage gestellt werden kann) für die Preisexplosion verantwortlich war. Grund hierfür ist die Art der Preisermittlung von CoinMarketCap, bei der der höchste Preis aller Handelsplätze als der aktuelle ausgewiesen wird. Grundsätzlich ist diese Relation auch durchaus richtig, wenn es aber mehrere Exchanges mit geringen Volumina gibt, dann kann ein einziger Exchange für solchen Ausreißer verantwortlich sein. Bei Kryptowährungen mit hohen Volumina wie z.B. Bitcoin oder Ethereum ist dies sehr unwahrscheinlich, da es eine Vielzahl von Handelsplattformen gibt mit hohen Handelsvolumina gibt und diese daher solche Preisausreißer unwahrscheinlich machen.

Fazit

CoinMarketCap ist und bleibt eine der besten Quellen um sich über die Preisentwicklung einer Kryptowährung zu informieren. Es sollte nur nicht die einzige Quelle bleiben. Heute gibt es eine Reihe von verschiedenen Informationsmöglichkeiten die die Preiskalkulation teils unterschiedlich vornehmen und daher Preismanipulationen wie in dem oben gezeigten Beispiel verhindern. Insbesondere bei wenig liquiden Coins sollten mehrere Quellen zu korrekten Preisbeurteilung herangezogen werden. Alternative Quellen sind z.B. CoinGecko, WorldCoinIndex, oder CryptoCoinCharts.

Übringens, nach heutigen Stand (22.02.2017) liegt Swiscoin auf Platz 639 mit einer unbestimmten Marktkapitalisierung. Die Plattform Swis Exchange ist nicht mehr auf CoinMarketCap gelistet.

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